Home
Magazin
Harry Potter und sein Hörkules
DAS MAGAZIN VON NEUROTH

HÖRBUCHSPRECHER RUFUS BECK

Harry Potter und sein Hörkules

Autor

Werner Schandor - Gastautor

Werner Schandor

Autor

11.02.2020

Rufus Beck hat nicht nur Harry Potter seine faszinierende Stimme geliehen, sondern gilt generell als einer der profiliertesten Hörbuchsprecher Deutschlands. Ein Porträt.

Der 1957 in Heidelberg geborene Schauspieler mit der markanten Erscheinung möchte nicht auf seine Stimme reduziert werden. Kein Wunder, denn man kann ihn auch in fast 100 Fernseh- und Kinofilmen bewundern – etwa in der Kultkomödie „Der bewegte Mann“ und in den Kinderbuchverfilmungen „Die Wilden Kerle“ oder „Emil und die Detektive“ genauso wie in sieben „Tatort“-Folgen. Ausserdem stand Rufus Beck bei mehreren Kindermusical-Tourneen des kleinen grünen Drachen Tabaluga gemeinsam mit dem Rocksänger Peter Maffay auf der Bühne.

Aber es hilft nichts: Am bekanntesten ist Beck nun einmal als begnadeter Vorleser. Einerseits hat er Kinder- und Jugendbuchklassiker wie die „Burg Schreckenstein“-Reihe oder den „Kleinen Nick“ akustisch zum Leben erweckt. Andererseits hat er auch Bestseller und Klassiker der Weltliteratur auf Hör-CD gebannt – von „Robinson Crusoe“ über „Don Quijote“ bis hin zu „Garp und wie er die Welt sah“ von John Irving. Allein der Hörbuch-Streamingdienst Audible listet 138 Hörbücher mit Rufus Beck auf. Und drei Mal darf man raten, wer vor nicht allzu langer Zeit die Hörbuchfassung der deutschen Luther-Bibel im Tonstudio eingelesen hat: das komplette Alte und Neue Testament auf 80 Audio-CDs mit 88 Stunden Hörzeit! „Gott klingt wie Rufus Beck“, titelte der Deutschlandfunk seine Rezension des Mammutprojekts aus dem Jahr 2018.

Rufus Beck, Harry-Potter-Sprecher (Credit: Siegfried Sperl)

Rufus Beck

Wie man ein guter Vorleser wird

In einem Interview mit dem Magazin ZEIT Campus wurde der Schauspieler gefragt, wie man ein guter Vorleser wird. Seine Antwort: „Ich lese Texte nicht, ich interpretiere sie. Texte sind für mich wie eine Musikpartitur. Man kann die Noten lesen, aber sie müssen erklingen.“ – Und als Beispiel nannte er seine Interpretation der Harry-Potter-Figur Mad-Eye Moody, der ein Auge vorne und ein Auge hinten hat: „In meiner Fantasie spricht diese Figur gleichzeitig beim Ein- und Ausatmen.“ Übrigens gab der wandlungsfähige Rufus Beck jedem wichtigeren Potter-Charakter einen eigenen Klang und machte das Hörerlebnis der deutschen Potter-Hörbücher dadurch unglaublich abwechslungsreich. Um die vielen Rollen beim Einlesen auseinanderhalten zu können, ordnete er jeder Figur eine Farbe zu, mit der er im Text von Joan K. Rowling die entsprechenden Stellen markierte, und er stellte sich die Figuren in seiner Fantasie bildlich vor.

Harry Potter war die erfolgreichste und umfangreichste Produktion, die Rufus Beck je gemacht hat. Sie katapultierte ihn vor knapp 20 Jahren in den Orbit der deutschen Hörbuchsprecher und brachte ihm nebenbei noch den begehrten Hörsprecher-Preis „Hörkules“ und sechs Platin-Schallplatten ein. Insgesamt schlagen alle sieben Harry-Potter-Bände mit fast 137 Stunden Hörzeit zu Buche. Bei den Produktionen legte Rufus Beck eine beeindruckende Professionalität an den Tag: Die 700 Seiten von „Harry Potter und der Halbblutprinz“ hat er zum Beispiel in nur neuneinhalb Studiotagen eingelesen, wobei ein Studiotag insgesamt 12 Stunden lang war. Das hält man nur mit einem wirklich gut geschulten Stimmorgan durch, denn bei den meisten Sprechern verändert die Stimme nach vier oder fünf Stunden Vortrag ihren Klang.

Das könnte Sie auch interessieren:

Menschen

Die Stimmen von Neuroth

Sie haben auch während der Corona-Krise stets ein offenes Ohr: die Mitarbeiter des Kundendienstes von Neuroth. Teil 6 unserer Porträt-Serie „Hearo – Helden des Hörens“.

Mehr lesen

Menschen

Von der Werkstatt in den Boxring

Hörgeräte-Technikerin Alexandra Rupp: Von der Werkstatt in den Boxring und weiter zum Fotoshooting. Teil 6 unserer neuen Porträt-Serie „Hearo – Helden des Hörens“.

Mehr lesen
Icon Floater