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BUCHTIPPS FÜR DEN URLAUB - TEIL 1

Der Klang der Seiten

Mann mit Buch am See (Foto: Werner Schandor)

Urlaubszeit, Lesezeit. Wir haben uns im Freundes- und Bekanntenkreis umgehört, welche Romane sie empfehlen können, die vom Hören oder von Musik handeln. Denn erstaunlich viele Autorinnen und Autoren haben ein offensichtliches Naheverhältnis zu akustischen Sinneseindrücken. Der erste Teil der Liste reicht von Bob Dylan über Haruki Murakami bis zur Pulitzer-Preisträgerin Jennifer Egan.

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Der Literaturnobelpreisträger und seine Freundin

Die wohl überraschendste Entscheidung des Nobelpreiskomitees in der jüngeren Zeit war es, 2016 den höchstdotierten Literaturpreis der Welt an Bob Dylan zu verleihen. Zu Recht, denn die Texte zu Dylans Songs sind oftmals Gedichte von epischem Ausmass. Aber auch als Buchautor ist „His Bobness“ gar nicht so übel: In seinen autobiographischen „Chronicles“ (2004) lässt er sich tief in die Seele blicken. Weil Dylan nicht selbst zur Nobelpreisverleihung kommen konnte, schickte er eine Freundin nach Stockholm – die Rock-Ikone Patti Smith. Die gibt als Autorin eine ebenso passable Figur ab, wie ihr vielfach ausgezeichnetes Erinnerungsbuch „Just Kids. Die Geschichte einer Freundschaft“ beweist – eine Hommage an den Fotografen Robert Mapplethorpe.

Planet Murakami trifft auf Doktor Faustus

Von Musik regelrecht besessen ist Haruki Murakami. Der japanische Bestseller-Autor, der in seinen Büchern Reales und Traumhaftes gekonnt vermischt, hat lange Zeit eine Jazzbar in Tokio betrieben. Allein seine Vinyl-Plattensammlung umfasst 10.000 Alben. Und in jedem seiner Romane spielt ein bestimmtes Musikstück eine leitmotivische Rolle. In „1Q84“ ist es zum Beispiel Gustav Janečeks „Sinfonietta“, in „Naokos Lächeln“ der Beatles-Song „Norwegian Wood“. Es gibt sogar eine eigene Website, www.haruki-music.com, die sich mit Musik-Zitaten in Murakami-Romanen befasst; und es gibt eine 3.442 Songs umfassende Murakami-Playlist auf Spotify, die von einem Fan zusammengestellt wurde.

Noch kein Fan hat sich die gleiche Mühe für Nobelpreisträger Thomas Mann angetan. Vielleicht, weil in dessen „Doktor Faustus“ hochkomplexe Zwölftonmusik quasi die Hauptrolle spielt. Für seinen grossen Roman über den fiktiven Komponisten Adrian Leverkühn, der einen Pakt mit dem Teufel eingeht, hatte sich der deutsche Autor musikalische Ezzes bei seinen Zeitgenossen Arnold Schönberg, Igor Strawinsky und dem Philosophen Theodor W. Adorno geholt.

Klingende Gesellschaftsporträts

Richard Powers gilt einer der wichtigsten lebenden US-Autoren. Sein Monumentalwerk „Der Klang der Zeit“ ist eine epische Familiensaga aus dem amerikanischen Osten. In dieser Geschichte zweier Brüder spielt das Singen eine Hauptrolle. „Der Gesang schlug die Kinder in den Bann, sie waren süchtig nach diesen musikalischen Abenden wie die Nachbarn nach ihren Radios. Singen war ihr Baseball, ihr Flohhüpfen, ihr Mensch-ärgere-dich-nicht.“ Powers‘ Buch ist farbenfroh, üppig und ein packendes Leseerlebnis, das die USA der Nachkriegsjahrzehnte vor dem inneren Auge nachbaut.

Nicht nur vom Titel her bildet Julian Barnes‘ Roman „Der Lärm der Zeit“ das Gegenstück zum „Klang der Zeit“: Der britische Autor Barnes schildert die bedrückende Ära der Sowjetunion unter Stalin, wo Millionen Menschen willkürlich in Straflager verschickt oder hingerichtet wurden. In dieser Zeit des Schreckens war auch der gefeierte Komponist Dimitri Schostakowitsch seines Lebens nicht sicher. Julian Barnes biographischer Roman ist ein Kammerspiel über die Angst, die totalitäre Systeme über die Menschen bringt.

Jazz und Hardrock

Zum Schluss noch einmal zurück in die USA: Der Roman „Jazz“ von Toni Morrison entführt in das schwarze Harlem der 1920er-Jahre, einen Ort der Gegenkultur jenseits weisser Gesetze. Die Nobelpreisträgerin greift in ihrem Buch musikalische Muster der Jazzmusik auf, um die Geschichte der Schwarzen in den USA von der Sklaverei bis zur Rassentrennung zu erzählen: „Bluesman. Black and bluesman. Blacktherefor blue man.“

Ebenfalls in New York, aber in den 1970er-Jahren, setzt Jennifer Egans Buch „Der grössere Teil der Welt“ ein, und es endet in der nahen Zukunft. Die meisten Charaktere der 13 lose zusammenhängenden Kapitel haben mit dem Musik-Business zu tun. Da gibt es erfolgreiche Musikmanager und gescheiterte Musiker, Groupies und Rockstars, die sich im Buch tummeln. Ein Highlight ist das vorletzte Kapitel über die besten Pausen in Rocksongs – geschrieben als Powerpoint-Präsentation. Jennifer Egans Buch wurde mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet.

Teil 2 unserer sommerlichen Buchtipps folgt im August – bis dahin wünschen wir: Viel Spaß beim Lesen!

Autor: Werner Schandor

Webtipp für Buchliebhaber

Die Buchliebhaber-Website „lovelybooks“ hat bei ihren Userinnen und Usern nachgefragt, welche Romane zur Musik diese empfehlen. Herausgekommen ist eine Liste mit 121 Büchern. Manche von ihnen finden sich auch hier bei uns wieder.

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